Kinder mit Diabetes: Wie die Stiftung Dianiño Familien im Alltag hilft

Die Diagnose Typ-1-Diabetes verändert den Alltag einer ganzen Familie. Rund 250 Diabetes-Nannys und -Nannos unterstützen betroffene Kinder und Jugendliche zu Hause, begleiten sie in schwierigen Situationen und vermitteln Wissen in Kitas und Schulen.
Von Ute Nitzsche
28. Mai 2026
Lesedauer: 3 Minuten
frei lesbar für alle
Erwachsene Person setzt einem Kind einen Injektionspen am Oberarm

Blutzucker kontrollieren, Insulin dosieren, Warnzeichen erkennen: Typ-1-Diabetes prägt den Alltag betroffener Kinder und ihrer Familien. (Symbolfoto. Das Bild zeigt kein von der Stiftung Dianiño betreutes Kind.)

Es sind nicht nur der regelmäßige Check der Blutzuckerwerte und das Pieksen mit dem Insulinpen – Kinder und Jugendliche, die die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten, stehen vor noch viel größeren Herausforderungen, die nicht nur sie selbst, sondern auch die gesamte Familie und ihr persönliches Umfeld betreffen. Hilfe gibt es von der Stiftung Dianiño, die für ihr Engagement schon mehrere Preise bekommen hat, im vergangenen Herbst unter anderem den Bundespreis startsocial.

Die medizinische Versorgung von Kindern mit Diabetes Typ 1 sei in Deutschland zwar grundsätzlich gegeben, Luft nach oben gebe es aber ganz klar bei der psychosozialen Unterstützung und bei der Begleitung im Alltag, weiß Kathy Dalinger. Sie ist Vorsitzende der Stiftung Dianiño, die betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien über die rein medizinische Versorgung hinaus schnell und unbürokratisch zur Seite steht. „Dabei geht es nicht nur um Hilfe in akuten Belastungssituationen, sondern auch darum, Kindern ein möglichst normales und selbstbestimmtes Aufwachsen sowie Teilhabe in Kita und Schule zu ermöglichen“, erklärt sie die Ziele der Stiftung, die 2004 von Ingrid Binder gegründet wurde, deren Kind selbst an Diabetes erkrankt war.

Hilfe vor Ort, in den Familien

Der tägliche Aufwand für die Familien ist riesig, und das rund um die Uhr. Ständige Aufmerksamkeit für die Erkrankung, das rechtzeitig Erkennen von Warnzeichen und vorausschauendes Handeln, um akute Unterzuckerungen und langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden, werden schnell zur extremen Belastung. Ganz abgesehen von Kita, Schule, Sportvereinen und Freunden der Kinder, die selten über die Krankheit, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört, Bescheid wissen.

250 Diabetes-Nannys und -Nannos im Einsatz

Hier kommt die Stiftung mit ihren Diabetes-Nannies und -Nannos ins Spiel. Kathy Dalinger erläutert deren Aufgaben: „Unsere Diabetes-Nannies kommen in Familien, wenn durch Sorgen, Krisen oder andere Belastungen die Versorgung und Betreuung des Kindes vorübergehend nicht mehr ausreichend gesichert ist. In der Regel gehen sie bis zu sechs Mal in die Familien, bei besonderem Bedarf auch häufiger. Sie helfen dann direkt vor Ort, bis sich die Situation wieder stabilisiert hat oder weitere Unterstützungsmaßnahmen greifen.“ Darüber hinaus schulen sie auch andere Betreuungspersonen, wie das Personal in Kindergärten und Schulen, und klären das soziale Umfeld über die Erkrankung auf, die – anders als häufig Diabetes Typ 2 – keine Folge eines ungesunden Lebensstils und zu viel Zucker ist. Rund 250 Nannies und Nannos sind deutschlandweit für die Stiftung im Einsatz. „Entscheidend ist, dass die Person über fundiertes Wissen, praktische Erfahrung und einen sicheren Umgang mit der Erkrankung verfügt“, sagt Kathy Dalinger. Voraussetzung dafür ist eine Tätigkeit im Bereich Diabetologie oder in der Diabetesberatung. Auch wer Elternteil eines Kindes mit Typ-1-
Diabetes ist oder selbst an der Krankheit leidet, kann Nanny oder Nanno werden.

Finanzierung der Angebote über Spenden

Laut Kathy Dalinger erreichen pro Jahr rund 600 bis 750 Hilfsanfragen die Stiftung, die neben der konkreten Unterstützung im häuslichen Umfeld auch Schulungen anbietet, in Kindergärten, Schulen und Ausbildungsorten um Akzeptanz für die Erkrankung wirbt und beispielsweise geflüchteten Kindern mit Diabetes hilft oder ganze Familienwochenenden organisiert. Die Hilfsangebote werden dabei vollständig über Spenden und Fördermittel finanziert.

Ausgezeichnet für ihre Weiterentwicklung

Für ihr Engagement wurde die Dianiño-Stiftung schon bei mehreren Wettbewerben ausgezeichnet, im September 2025 mit dem Bundespreis startsocial. Diesen bekam sie für ihre Gesamtentwicklung und die Qualität ihrer Arbeit, die die Stiftung in einem viermonatigen Coaching weiterentwickeln konnte, zu dem vor allem auch der Bereich Fundraising gehörte. „Die Jury hat gesehen, dass wir uns auch nach 20 Jahren Stiftungsarbeit nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern unsere Angebote, unsere Organisation und unsere Wirkung konsequent weiterentwickeln“, sagt Kathy Dalinger. „Besonders gewürdigt wurde, dass wir mit klarer Strategie, großem Engagement und einem belastbaren Fahrplan daran arbeiten, Familien mit Kindern mit Typ-1-Diabetes noch besser zu unterstützen.“

Mehr als 3000 Neuerkrankungen pro Jahr

Wie wichtig die Arbeit der Stiftung ist, zeigen einige Zahlen zum Thema Typ-1-Diabetes, die Kathy Dalinger nennt: „In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 3000 Kinder und Jugendliche neu daran, und die Zahl der Neuerkrankungen steigt weiterhin um etwa drei bis fünf Prozent pro Jahr. Im Jahr 2022 lebten hierzulande rund 34 600 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren mit Typ-1-Diabetes.“ Warum die Zahlen in die Höhe gehen, sei wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Nach heutigem Stand gehe man von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren aus. Klar ist jedoch, dass der Bedarf an Unterstützung für die erkrankten Kinder und ihre Angehörigen weiterhin hoch bleibt.

Mehr erfahren

Die Stiftung Dianiño und ihre Hilfsangebote

Fotocredit(s)

  • Symbolfoto Diabetes: Mediaphotos/AdobeStock

Gedenkstätten: Persönliche Begegnung prägt junge Menschen

Ein Besuch an den Orten nationalsozialistischer Verbrechen macht Geschichte auf eine Weise greifbar, die kein Schulbuch leisten kann. Die Bethe-Stiftung hat bereits mehr als 40.000 jungen Menschen solche Gedenkstättenfahrten ermöglicht.

Weiterlesen

Unverhoffte Spenden: Was drei Straßenzeitungen damit bewirken

Ein finanzielles Polster, ein Kochbuch und eine neue Vertriebsstelle: Drei österreichische Straßenzeitungen erhielten Geld aus Marlene Engelhorns Initiative „Guter Rat für Rückverteilung“. Zwei Jahre später zeigt sich, dass die Spenden nicht nur Projekte ermöglicht, sondern vor allem die Organisationen gestärkt haben.

Weiterlesen

Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ 2026

Der Förderpreis „Verein(t) für gute Kita und Schule“ 2026 zeichnet bundesweit innovative Projekte von Kita- und Schulfördervereinen aus. Im Mittelpunkt stehen kreative Ansätze zur Medienkompetenz – von klassischen Büchern bis hin zum Umgang mit KI. Bewerbungsschluss ist am 30. Juni 2026.

Weiterlesen

startsocial 2026: Bewerben und professionelle Beratung für soziale Initiativen sichern

Der Wettbewerb startsocial 2026 bietet sozialen Initiativen in Deutschland die Chance auf eines von 100 Beratungsstipendien. Vier Monate lang begleiten Coaches aus der Wirtschaft die Projekte und helfen, die Wirkung nachhaltig zu steigern. Bewerbungen sind bis 10. Juli 2026 möglich.

Weiterlesen

Deutscher Jugend-Naturschutzpreis: 10.000 Euro für Engagement junger Menschen

Der Deutsche Jugend-Naturschutzpreis 2026 zeichnet Projekte von Jugendlichen aus, die sich für den Schutz der biologischen Vielfalt einsetzen. Junge Menschen zwischen 13 und 21 Jahren können sich mit ihren Initiativen noch bis 31. März 2026 bewerben und Preisgelder von insgesamt 10.000 Euro gewinnen.

Weiterlesen

DFL-Stiftung – Fördertopf „Bewegung. Begegnung. Zukunft.“ mit 100.000 Euro 

Die DFL-Stiftung vergibt in diesem Jahr Fördermittel zum Themenschwerpunkt „Bewegung. Begegnung. Zukunft.“ Insgesamt 100.000 Euro stehen für Projekte und Initiativen bereit, die durch Sport das gesellschaftliche Miteinander stärken.

Weiterlesen
Werbung
Vom Spendenkonto zur Fundraising-Strategie. Deine Bank – jetzt mit Fundraising Beratung.

Weil erfolgreiches Fundraising bei Menschen und Ihrem Engagement ansetzt. Wir unterstützen euch, Finanzierung und Beziehungen zusammenzudenken. Gemeinsam. Sozial. Wirksam.

Älterer Mann schaut in ein Fotoalbum. Biographien bestimmen den Wunsch gemeinnützig zu vererben.
Erbschaftsfundraising: Vertrauen statt Kampagne

Immer mehr Menschen bedenken gemeinnützige Organisationen in ihrem Testament. Erbschaftsfundraising ist deshalb ein wichtiges Thema. DDV-Mitglieder berichten über Ihr Erfahrungen.

Zwei junge Erwachsene sitzen vor einem Laptop und nehmen an einem Webinar teil.
Wie sieht erfolgreiches Fundraising der Zukunft aus?

Digitale Zahlmethoden verändern das Spendenverhalten. Die Webinar-Reihe „StrategieImpuls Fundraising“ zeigt was erfolgreiches Fundraising der Zukunft ist.