Es sind nicht nur der regelmäßige Check der Blutzuckerwerte und das Pieksen mit dem Insulinpen – Kinder und Jugendliche, die die Diagnose Typ-1-Diabetes erhalten, stehen vor noch viel größeren Herausforderungen, die nicht nur sie selbst, sondern auch die gesamte Familie und ihr persönliches Umfeld betreffen. Hilfe gibt es von der Stiftung Dianiño, die für ihr Engagement schon mehrere Preise bekommen hat, im vergangenen Herbst unter anderem den Bundespreis startsocial.
Die medizinische Versorgung von Kindern mit Diabetes Typ 1 sei in Deutschland zwar grundsätzlich gegeben, Luft nach oben gebe es aber ganz klar bei der psychosozialen Unterstützung und bei der Begleitung im Alltag, weiß Kathy Dalinger. Sie ist Vorsitzende der Stiftung Dianiño, die betroffenen Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien über die rein medizinische Versorgung hinaus schnell und unbürokratisch zur Seite steht. „Dabei geht es nicht nur um Hilfe in akuten Belastungssituationen, sondern auch darum, Kindern ein möglichst normales und selbstbestimmtes Aufwachsen sowie Teilhabe in Kita und Schule zu ermöglichen“, erklärt sie die Ziele der Stiftung, die 2004 von Ingrid Binder gegründet wurde, deren Kind selbst an Diabetes erkrankt war.
Hilfe vor Ort, in den Familien
Der tägliche Aufwand für die Familien ist riesig, und das rund um die Uhr. Ständige Aufmerksamkeit für die Erkrankung, das rechtzeitig Erkennen von Warnzeichen und vorausschauendes Handeln, um akute Unterzuckerungen und langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden, werden schnell zur extremen Belastung. Ganz abgesehen von Kita, Schule, Sportvereinen und Freunden der Kinder, die selten über die Krankheit, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört, Bescheid wissen.
250 Diabetes-Nannys und -Nannos im Einsatz
Hier kommt die Stiftung mit ihren Diabetes-Nannies und -Nannos ins Spiel. Kathy Dalinger erläutert deren Aufgaben: „Unsere Diabetes-Nannies kommen in Familien, wenn durch Sorgen, Krisen oder andere Belastungen die Versorgung und Betreuung des Kindes vorübergehend nicht mehr ausreichend gesichert ist. In der Regel gehen sie bis zu sechs Mal in die Familien, bei besonderem Bedarf auch häufiger. Sie helfen dann direkt vor Ort, bis sich die Situation wieder stabilisiert hat oder weitere Unterstützungsmaßnahmen greifen.“ Darüber hinaus schulen sie auch andere Betreuungspersonen, wie das Personal in Kindergärten und Schulen, und klären das soziale Umfeld über die Erkrankung auf, die – anders als häufig Diabetes Typ 2 – keine Folge eines ungesunden Lebensstils und zu viel Zucker ist. Rund 250 Nannies und Nannos sind deutschlandweit für die Stiftung im Einsatz. „Entscheidend ist, dass die Person über fundiertes Wissen, praktische Erfahrung und einen sicheren Umgang mit der Erkrankung verfügt“, sagt Kathy Dalinger. Voraussetzung dafür ist eine Tätigkeit im Bereich Diabetologie oder in der Diabetesberatung. Auch wer Elternteil eines Kindes mit Typ-1-
Diabetes ist oder selbst an der Krankheit leidet, kann Nanny oder Nanno werden.
Finanzierung der Angebote über Spenden
Laut Kathy Dalinger erreichen pro Jahr rund 600 bis 750 Hilfsanfragen die Stiftung, die neben der konkreten Unterstützung im häuslichen Umfeld auch Schulungen anbietet, in Kindergärten, Schulen und Ausbildungsorten um Akzeptanz für die Erkrankung wirbt und beispielsweise geflüchteten Kindern mit Diabetes hilft oder ganze Familienwochenenden organisiert. Die Hilfsangebote werden dabei vollständig über Spenden und Fördermittel finanziert.
Ausgezeichnet für ihre Weiterentwicklung
Für ihr Engagement wurde die Dianiño-Stiftung schon bei mehreren Wettbewerben ausgezeichnet, im September 2025 mit dem Bundespreis startsocial. Diesen bekam sie für ihre Gesamtentwicklung und die Qualität ihrer Arbeit, die die Stiftung in einem viermonatigen Coaching weiterentwickeln konnte, zu dem vor allem auch der Bereich Fundraising gehörte. „Die Jury hat gesehen, dass wir uns auch nach 20 Jahren Stiftungsarbeit nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern unsere Angebote, unsere Organisation und unsere Wirkung konsequent weiterentwickeln“, sagt Kathy Dalinger. „Besonders gewürdigt wurde, dass wir mit klarer Strategie, großem Engagement und einem belastbaren Fahrplan daran arbeiten, Familien mit Kindern mit Typ-1-Diabetes noch besser zu unterstützen.“
Mehr als 3000 Neuerkrankungen pro Jahr
Wie wichtig die Arbeit der Stiftung ist, zeigen einige Zahlen zum Thema Typ-1-Diabetes, die Kathy Dalinger nennt: „In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 3000 Kinder und Jugendliche neu daran, und die Zahl der Neuerkrankungen steigt weiterhin um etwa drei bis fünf Prozent pro Jahr. Im Jahr 2022 lebten hierzulande rund 34 600 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren mit Typ-1-Diabetes.“ Warum die Zahlen in die Höhe gehen, sei wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Nach heutigem Stand gehe man von einem Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren aus. Klar ist jedoch, dass der Bedarf an Unterstützung für die erkrankten Kinder und ihre Angehörigen weiterhin hoch bleibt.