Ein Dorf nutzt überschüssigen Windstrom zum Heizen, ein regionaler Betrieb senkt Emissionen und Energiekosten, ein Wiederaufbauverein macht nachhaltige Wärme zum Teil des Neuanfangs. Der erstmals vergebene Zukunftspreis Deutsche Energie würdigt drei Wege, die Energiewende vor Ort mit konkretem Nutzen zu verbinden.
Was kann entstehen, wenn Menschen die Energieversorgung vor Ort selbst mitgestalten? Der gemeinnützige Verein Heimatwurzeln hat erstmals den Zukunftspreis Deutsche Energie vergeben. Ausgezeichnet wurden drei unterschiedliche Projekte: ein kommunales Wärmenetz in Uckerland, ein Energiekonzept für einen Kfz-Betrieb in Linthe und der gemeinschaftliche Wiederaufbau in Marienthal. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Energiefragen mit konkretem Nutzen für die Menschen vor Ort verbinden. Die Jury bewertete mehr als 40 Bewerbungen. Zu den Kriterien zählten gesellschaftlicher Nutzen, regionale Wertschöpfung und die Beteiligung der Menschen vor Ort. Neun Projekte kamen in die engere Auswahl.
Windstrom macht Nechlin warm
In der Brandenburgischen Gemeinde Uckerland versorgt ein Windwärmespeicher den Ortsteil Nechlin mit Wärme. Er nutzt Strom aus einem benachbarten Windpark, der andernfalls nicht verwendet werden könnte: Heizstäbe erwärmen Wasser, das in das örtliche Nahwärmenetz fließt. Inzwischen sind nahezu alle Haushalte des Ortsteils angeschlossen.
Auch die Einnahmen aus der Windenergie kommen der Gemeinde zugute. Sie finanzierte damit unter anderem Feuerwehrfahrzeuge sowie Ausstattung für die Grundschule und die Kita. Bürgermeister Matthias Schilling sieht darin einen Ausgleich für die Belastungen durch Windräder. „Bei uns gibt es ein geflügeltes Wort: Wer ertragen muss, muss auch Ertrag haben! Windräder sind ja nicht unbedingt so attraktiv. Wir haben gesagt, dafür müssen wir einen Ausgleich schaffen. Deshalb versuchen wir, jetzt auch die anderen Ortsteile mit dem Wärmenetz auszustatten“, so Schilling.
Ein Kfz-Betrieb senkt Kosten und Emissionen
Feuerwehr ist auch in Linthe, im Landkreis Potsdam-Mittelmark, ein Thema. Die FTM-Service GmbH im Ort ist auf Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge spezialisiert. Wenn Geschäftsführer Marcel Mika oder seine Mitarbeiter Dienstfahrten zu erledigen haben, nutzen sie eins der sieben E-Fahrzeuge. Den benötigten Strom erzeugen Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassade des Betriebs. Beheizt werden die Firmengebäude mit zwei Wärmepumpen, die mit einem Kapillarheizsystem verbunden sind.
„Als Unternehmer geht es mir um Unabhängigkeit von Energielieferanten, Verantwortung und Kostenersparnis“, resümiert Marcel Mika. „Seit der Umrüstung sparen wir jährlich rund 42 Tonnen CO2 und etwa 30.000 Euro Energiekosten. Diese können wir in ein sicheres Umfeld für unsere Mitarbeiter und in gute Werkzeuge investieren.“ Sein Tipp für andere Unternehmer: „Einfach machen. Ein bisschen rechnen, dann bleibt einem eigentlich keine andere Lösung übrig.“
Nach der Flut gemeinsam neu anfangen
Nach der Flut nicht nur wiederaufbauen, sondern neu anfangen – genau das haben die Bewohner von Marienthal in Dernau/Rheinland-Pfalz geschafft. Als die Ahr 2021 zum reißenden Strom wurde, zerstörte die Flut große Teile des Ortes. Die Menschen standen buchstäblich vor dem Nichts und krempelten die Ärmel hoch. Sie gründeten den Hochwasserhilfeverein Marienthal e.V. und nahmen den Wiederaufbau selbst in die Hand. Entstanden sind ein Nahwärmenetz mit Pelletsheizung, Solarthermie, Photovoltaik und Speicher sowie ein neues Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz und Brunnen. Gleichzeitig wurden Wasserleitungen, Glasfaser und Straßenbeleuchtung erneuert.
Auch die Umwelt profitiert von der Weitsicht und Innovationskraft der Marienthaler: Die Wärmeversorgung ist heute nahezu CO2-neutral. Für Gisbert Knichwitz, der den Award im Namen seines Vereins entgegennahm, ist jedoch etwas anderes entscheidend: In Marienthal sei etwas entstanden, von dem der ganze Ort profitiere. „Wir wollen unseren Ort attraktiv machen, für junge Familien und ihnen eine Heimat geben, in der sie sich wohlfühlen. Die neue Dorfmitte – mit allem, was dazu gehört – das sind wir!“
Gemeinwohlorientiertes Handeln im Blick
Die drei ausgezeichneten Projekte zeigen unterschiedliche Wege, Energieversorgung vor Ort zu gestalten. Der Preis des Vereins Heimatwurzeln e. V. rückt dabei neben technischen Lösungen auch das in den Blick, was für gemeinwohlorientiertes Handeln zentral ist: lokale Verantwortung, Beteiligung und ein Nutzen, der über einzelne Haushalte oder Betriebe hinausreicht.
Die Preisverleihung fand Anfang Oktober im Rahmen der 2. Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz statt. Heimatwurzeln e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn. Er setzt sich für praxisnahe, lokal verankerte Klimaschutzlösungen ein und möchte dafür die Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft stärken.