Der Monat ist noch lange nicht rum, doch das Konto schon wieder im Soll. Solange man dann schnell wieder in die schwarzen Zahlen kommt, ist alles im grünen Bereich. Doch was, wenn der Schuldenberg immer größer wird, statt zu schrumpfen? Die „Stiftung Deutschland im Plus“ setzt sich dafür ein, dass es gar nicht so weit kommt. Für ihr Engagement gegen private Überschuldung wurde sie dieses Jahr sogar mit dem Meritum-Förderpreis ausgezeichnet.
Laut dem Schuldner-Atlas der Wirtschaftsauskunfteien boniversum und Creditreform waren im Jahr 2024 rund 5,56 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet, konnten also über einen längeren Zeitraum hinweg bestehende Verbindlichkeiten weder aus ihrem Vermögen noch aus laufenden Einnahmen begleichen. Das entspricht einer Quote von 8,09 Prozent. Wie kommt es dazu?
Warum Menschen in die Überschuldung geraten
„Die meisten Überschuldungsgründe sind nicht unmittelbar beeinflussbar. Es handelt sich um Krisen, die jede Person betreffen können“, weiß Gudrun Scheller-Hesch, Geschäftsführerin der „Stiftung Deutschland im Plus“. In der Regel zählten Arbeitslosigkeit, Krankheit, Einkommensarmut, Scheidung oder Trennung und gescheiterte Selbständigkeit zu den häufigsten Ursachen. Aber nicht nur: „Anders sieht es bei jungen Menschen aus: Neben Arbeitslosigkeit sind bei dieser Altersgruppe Konsumverhalten und fehlende finanzielle Allgemeinbildung die hauptsächlichen Überschuldungsauslöser.“ Zwar weise laut Creditreform-Schuldneratlas die Überschuldungsquote seit 2019 einen rückläufigen Trend auf, wobei mit jenen 5,56 Millionen überschuldeten Personen im letzten Jahr ein neuer Tiefstand erreicht worden sei. Dieser sei aber auf weniger Konsum aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen zurückzuführen. Da laut Experten die Arbeitslosigkeit aber voraussichtlich wieder zunehmen werde, ist auch mit einem neuerlichen Anstieg der Überschuldungsquote in Deutschland zu rechnen.
Früh über Geld sprechen
Hier setzt die gemeinnützige und unabhängige Stiftung an, indem sie sich für private Überschuldungsprävention starkmacht. Sie wurde im Jahr 2007 von der Team-Bank gegründet, die schon damals den Bedarf an Finanzbildung, vor allem bei jungen Menschen, erkannt hat. „Wichtig ist, dass finanzielle Bildung in allen Lebensphasen vermittelt wird. Je früher die Weichen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Geld gestellt werden, umso besser“, sagt Gudrun Scheller-Hesch. „Leider wird in den Elternhäusern erfahrungsgemäß wenig über Geld gesprochen, und nur wenige Bundesländer greifen das Thema Finanzen in ihren Lehrplänen auf.“ Dabei könne durch finanzielle Bildung gerade in jungen Jahren eine wichtige Basis für finanzielles Wohlbefinden geschaffen werden, wofür zum Beispiel die Verankerung des Themas in den Lehrplänen förderlich sei.
Schulworkshops für Jugendliche
Die Stiftung hat deshalb unter anderem das Unterrichtsmodul „Money & me“ für junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren entwickelt und kommt auch in den Unterricht. Mit praktischen Übungen, Diskussionen und Beispielen aus dem Alltag holen die Schulworkshops die Jugendlichen damit direkt in deren Lebenswelt ab. „Dabei werden die teachable moments, mit denen junge Menschen in ihrem Alltag konfrontiert werden, in verschiedenen Modulen behandelt, wie Kostenfallen, Budgetplanung, Kaufverhalten, das erste eigene Auto, die erste eigene Wohnung, Handyverträge etc.“, erklärt Gudrun Scheller-Hesch. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dafür sensibilisiert werden, wirtschaftlich klug zu entscheiden und nachhaltig mit ihrem Budget umzugehen. Als Ergänzung zu den Workshops vor Ort gibt es die interaktive Plattform „MyMoneyCamp“, die sich innerhalb verschiedener virtueller Räume den Themen Konsumieren und Haushalten widmet. Der Raum „Endlich 18“ beschäftigt sich darüber hinaus mit dem ersten eigenen Geld und den damit verbundenen Herausforderungen.
Spezielle Zielgruppen im Blick
Das Angebot der Stiftung richtet sich aber auch an weitere Zielgruppen. So gibt es spezielle Formate für künftige Careleaver, also für Jugendliche, die aus der Jugendhilfe ausziehen und fortan auf eigenen finanziellen Beinen stehen müssen. Auch Auszubildende, Eltern, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in der JVA sowie Geflüchtete nimmt die Stiftung in den Blick. Letztere lernen in Workshops zum Beispiel, wie man in Deutschland ein Girokonto eröffnet, wie viel man in welchem Beruf verdient oder was man beachten muss, wenn man einen Handyvertrag abschließt. Und der interaktive Impulsvortrag „Sorglos in den Ruhestand“ soll Menschen ab 55 Jahren ermutigen, sich mit ihrer finanziellen Situation im Rentenalter auseinanderzusetzen.
Wer stets den Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben haben will, kann die mit dem „Smartphone App Award“ prämierte Budgetplaner-App nutzen. Sie ist kosten- und werbefrei. Damit aus Minus schnell wieder Plus wird.