Wildtiere sind fester Bestandteil der heimischen Natur und haben es trotzdem oft schwer, denn der Mensch nimmt ihnen immer mehr Lebensraum weg. Mit der „Botschaft der Wildtiere“ verleiht ihnen die Deutsche Wildtier-Stiftung in Hamburg eine starke Stimme. Im Sommer feierte die „ständige Vertretung“ das erste Jubiläum und zieht eine extrem positive Bilanz.
Rund drei Viertel der Menschen in Deutschland leben in Städten. Und obwohl es auch im urbanen Raum Wildtiere gibt, zeigte schon vor zehn Jahren eine Umfrage im Auftrag der Deutschen Wildtier-Stiftung, dass jedes fünfte Kind nie oder fast nie ein freilebendes Tier sieht. Sie setzt sich seit 1992 für den Natur- und Artenschutz in Deutschland ein und konzentriert sich dabei auf vier Schwerpunkte: „Wildtierlebensräume schaffen und bewahren, Wildtiere vor dem Aussterben schützen, Menschen für Natur und Wildtiere begeistern und Konflikte zwischen Wildtier und Mensch lösen – das sind die vier Säulen der Stiftung“, erklärt Pressereferentin Jenifer Calvi.
Wild lebende Tiere haben in Deutschland keinen einfachen Stand. Während Haustiere wie Hund und Katze gehegt und gepflegt werden, sind die Lebensräume vieler heimischer Tierarten durch Straßenbau, intensive Landwirtschaft und die Abholzung von Wäldern immer stärker bedroht. „Doch es gibt Hoffnung“, so Jenifer Calvi. „Wo Lebensräume geschützt oder neu geschaffen werden, erobern viele Wildtiere ihr Terrain zurück.“
Besucher als Botschafter
Um ihnen mitten in der Großstadt eine Bühne zu geben, hat die Stiftung in der Hamburger Hafen-City im letzten Jahr auf 2200 Quadratmetern die „Botschaft der Wildtiere“ eröffnet. Die interaktive Ausstellung mit einem Naturfilmkino, einer Lernwerkstatt und einem Restaurant, das mit Naturmaterialien eingerichtet ist, versteht sich als Erlebnisort für alle Generationen. Dabei werden die Besucherinnen und Besucher selbst zu Botschaftern für den Artenschutz, beispielsweise indem sie während ihres Aufenthalts Ideen für den Wildtierschutz sammeln, die sie anschließend im eigenen Zuhause umsetzen können, oder sich Vorträge zum Natur-und Artenschutz anhören – und nicht zuletzt auch dadurch, dass sie einfach ihre Begeisterung für die Natur und das Leben der heimischen Wildtiere weitertragen.
Gerade bei Kindern schlage anfängliche Skepsis meist rasch in Begeisterung um, weiß Jenifer Calvi. „Beim Thema Spinnen zum Beispiel weicht die Angst schnell der Faszination: ‚Die sind ja richtig spannend!‘, hören wir dann von unseren kleinen Besucherinnen und Besuchern.“ Auch viele kleine Entdeckungen im Alltag seien mitunter sehr berührend, z.B. wenn ein Kind staunend entdecke, dass eine Weinbergschnecke ihr Haus nie verlässt, dass Schlangen mit der Zunge riechen und Tauben ganz andere Farben sehen können als wir Menschen – ohne ein Aha-Erlebnis verlasse wohl niemand die Botschaft.
Selbstständiges Forschen
Dabei variieren die Vorkenntnisse stark. Manche der jungen Gäste bringen schon erstaunlich viel Wissen mit, andere wiederum sind noch nie einem Wildtier begegnet. In der Lernwerkstatt holen die Naturpädagoginnen deshalb jedes Kind dort ab, wo es steht. So gibt es verschiedene Module, anhand derer die Kinder selbstständig forschen und sich Wissen aneignen oder auf eine spannende Wissensrallye quer durch die Ausstellung begeben können. Jenifer Calvi nennt konkrete Zahlen für das erste Jahr: „Rund 3500 Kinder aus 163 Schulklassen haben bereits in der Lernwerkstatt geforscht, und die Lernmodule sind längst für den Rest des Jahres ausgebucht.“ Die Botschaft der Wildtiere ist aber auch für Kindergeburtstage äußerst beliebt. Fast 40 Mal war sie in den ersten zwölf Monaten ihres Bestehens schon Austragungsort für den fröhlichen Start ins neue Lebensjahr.
Dokumentationen im Naturfilmkino
Aber auch für Erwachsene gibt es jede Menge zu entdecken. Im einzigen Naturfilmkino Deutschlands flimmern am „Naturfilm-Mittwoch“ wöchentlich faszinierende Dokus über die Leinwand. Gleichzeitig ist es Schauplatz der „European Wildlife Film Awards“. Das neue Festival fand in diesem Jahr zum ersten Mal statt und ist mit dem höchsten Naturfilmpreis Europas dotiert. Es zeigt ausschließlich Dokumentationen über die Tier- und Pflanzenwelt unseres Kontinents. Über 50 Produktionen nehmen am Wettbewerb teil, die nächste Preisverleihung ist am 7. Februar 2026, wobei die Besucherinnen und Besucher erstmals über den Publikumspreis abstimmen können. Aber auch Lesungen mit namhaften Autorinnen und Autoren und Vorträge zu Natur- und Artenschutzthemen sind Bestandteil des umfangreichen Programms, das die Wildtier-Botschaft bietet.
Innerhalb des ersten Jahres ihres Bestehens kann sie also schon eine beachtliche Bilanz ziehen, was dann auch Ende August mit einem großen Sommerfest gefeiert wurde. Und Jennifer Calvi sowie wie das gesamte Stiftungsteam sind sich sicher: „Die Botschaft der Wildtiere hat Herzen erobert.“