Online-Fundraising: Was aktuelle Spendendaten zeigen

Von Daniela Münster-Daberstiel
24. September 2026
Lesedauer: 3 Minuten
frei lesbar für alle

Zwei aktuelle Studien nehmen das digitale Fundraising im deutschsprachigen Raum unter die Lupe. Die beiden Anbieter von Softwarelösungen für digitales Fundraising, RaiseNow und FundraisingBox, haben dafür reale Transaktionsdaten ihrer Kunden ausgewertet. Hinter all den Zahlen steckt eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich Online-Fundraising dauerhaft verbessern?

RaiseNow beobachtet zunächst eine erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der digitalen Transaktionen steigt. Gleichzeitig sinkt jedoch der Betrag pro Transaktion, das digitale Spendenvolumen bleibt dennoch stabil. Die FundraisingBox sieht bei der Spendenhöhe dagegen kaum Bewegung. In ihrem Datensatz lag die durchschnittliche Online-Spende 2025 nahezu auf Vorjahresniveau.

Für Organisationen steckt darin bereits eine wichtige Erkenntnis: Ein allgemeiner Bench­mark kann Orientierung geben, ent­schei­dend ist die Entwicklung der eige­nen Zahlen. Steigt oder sinkt die Anzahl oder die Höhe der Spenden? Verändert sich der Durch­schnitt? Und vor allem: Warum?

Fundraising als Prozess verstehen

Die FundraisingBox fasst diesen Ansatz unter dem Begriff Performance Fundraising zusammen: Fundraising wird als kontinuierlicher Prozess verstanden, bei dem Daten ausgewertet, Maßnahmen optimiert und Spen­der­be­ziehungen weiterentwickelt werden, statt nur von Kampagne zu Kampagne zu denken. Wiederkehrende Spenden spielen dabei eine wichtige Rolle.

RaiseNow zeigt zudem, dass große Orga­nisationen ihre digitalen Trans­ak­tions­zahlen zuletzt besonders stark steigern konnten. Ein Expertenkommentar in der Studie führt den Vorsprung allerdings nicht allein auf die Größe zurück, sondern auch auf Know-how und die Professionalisierung des digitalen Fundraisings.

Mobile dominiert – aber nicht immer

Dass Spendenformulare auf Smartphones funktionieren müssen, ist keine neue Erkenntnis. Interessanter ist, wie unterschiedlich mobil und am Desktop gespendet wird. Bei RaiseNow erfolgten 2025 fast 97 Prozent der Spenden bis 30 Schweizer Franken mobil. Mit zunehmender Spendenhöhe wächst dagegen tendenziell der Desktop-Anteil. Die FundraisingBox zeigt ein ähnliches Muster aus einer anderen Perspektive: 64 Prozent der Online-Transaktionen werden mobil ausgelöst. Beim Spendenvolumen liegt der Desktop mit 52 Prozent aber noch knapp vor dem Smartphone mit 48 Prozent. „Mobile first“ allein reicht als Strategie also nicht. Or­ga­­ni­sationen sollten wissen, welche Spenden über welches Gerät entstehen und ob ihre Spen­den­strecken zu diesen Situationen passen.

Das gilt ebenso für die Zahlungsarten. In beiden Datensätzen liegt PayPal für Spenden in Euro weit vorn. Bei Spenden in Schweizer Franken dominiert bei RaiseNow dagegen Twint. Hier ge­win­nen zudem Apple Pay und Google Pay an Bedeutung. Die praktische Konsequenz ist unspekta­kulär, aber wichtig: Wer beim Bezahlen unnötige Hürden aufbaut, verschenkt Potenzial.

Auch die große Spende kommt online

Taugen digitale Kanäle nur für kleine Spenden? Die Daten sagen eindeutig: Nein. Die FundraisingBox hat größere Einzelspenden gesondert untersucht. Zwar kommen hohe Beträge offline anteilig häufiger vor. Doch auch online werden höhere Beträge gegeben. Selbst Einzelspenden von mehr als 3 000 oder 5 000 Euro finden sich im Datensatz. RaiseNow ergänzt dieses Bild: Mit steigender Spendenhöhe nimmt tendenziell die Nutzung von Desktopgeräten gegenüber Mobile zu.

Für Organisationen stellt sich deshalb eine einfache Frage: Was findet jemand vor, der online 1 000 oder 5 000 Euro spenden möchte? Betragsvorschläge, Wirkungs­kom­munikation und die Gestaltung der Spen­den­strecke dürfen nicht ausschließlich auf kleine und mittlere Beträge ausgerichtet sein.

KI ist da – die Strategie häufig noch nicht

Einen zusätzlichen Blick wagt die FundraisingBox mit einem eigenen Untersuchungsteil zum Einsatz Künstlicher Intelligenz. Dafür wurden fünf Experten interviewt und ergänzend 29 Teilnehmer einer Fachveranstaltung befragt. Die quantitativen Ergebnisse sind wegen der kleinen Stichprobe eher ein Stimmungsbild – aber ein interessantes.
Am häufigsten wird KI für Texte, E-Mail-Kom­mu­nikation, Marketing und Social Media genutzt. Datenanalyse, Reporting und Pro­zess­auto­matisierung spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle. Als Hürden werden vor allem fehlende Zeit, fehlendes Wissen sowie Datenschutz- und Sicherheitsfragen genannt.

Poten­zial von KI nutzen

Hier schließt sich der Kreis. Beide Studien zeigen, wie viele Erkenntnisse sich aus Trans­ak­tionsdaten gewinnen lassen. Das Poten­zial Künstlicher Intelligenz dürfte deshalb langfristig nicht nur darin liegen, den nächsten Spendenaufruf schneller zu schreiben. Interessant wird sie dort, wo sie helfen kann, Daten auszuwerten, Prozesse zu vereinfachen und Fundraising systematisch weiter auszubauen.
Die eigenen Daten entscheiden

Was lässt sich also für die Fundraising-Praxis von Nonprofits ableiten? Zunächst: Durchschnittswerte sind hilfreich, aber kein Zielwert für jede Organisation. Spendenhöhe, Transaktionszahl und Gesamtvolumen sollten gemeinsam betrachtet werden. Mobile Spenden, Dauerspenden und größere Einzelspenden brauchen zum Teil unterschiedliche Strecken und Angebote. Zahlungswege sollten regelmäßig überprüft, bestehende Spenderbeziehungen nach der ersten Gabe weiterentwickelt und erfolgreiche Ansätze nicht nur wiederholt, sondern fortlaufend optimiert werden.

Es lohnt sich durchaus, solche Studien genauer anzuschauen – nicht nur für Daten-Nerds, sondern für alle, die das Fundraising ihrer Organisation weiterentwickeln wollen.

Die Studie von Raise­Now: „Digitales Fund­raising – Die Studie 2026“ ist kostenlos hier erhältlich:
 https://www.raisenow.com/de-de/ressourcen/fundraising-studie/2026

Die Studie der Fundrai­singBox: „Wirksame Mus­ter im digitalen Fund­raising“ ist ebenfalls kostenlos erhältlich:  https://fundraisingbox.com/fundraising-studie/

Führung in Nonprofits: Herausforderung als Normalzustand

Führungskräfte in gemeinnützigen Organisationen erleben ihre Arbeit als sinnvoll – und gleichzeitig als belastend. Eine Umfrage der Stiftung Bürgermut zeigt: Entscheidend ist vor allem, ob genug Zeit für Strategie bleibt und gute Strukturen die Führung entlasten.

Weiterlesen

Resilienz: Wie Nonprofits handlungsfähig bleiben

Resilienz ist Themen-Schwerpunkt. Weiterhin Interviews sowie Best Practice aus Projekten und Stiftungen. Mit kostenloser Leseprobe.

Weiterlesen

Vertrauen in Nonprofits: Zwischen hoher Wertschätzung und großer Skepsis

Stiftungen und Vereine genießen laut einer aktuellen Forsa-Befragung viel Ansehen. Gleichzeitig zeigt das Edelman Trust Barometer seit Jahren niedrige Vertrauenswerte für NGOs in Deutschland. Wie passt das zusammen? Ein genauer Blick zeigt: Reputation, gesellschaftliche Bedeutung und Vertrauen sind nicht dasselbe.

Weiterlesen

Fundraisingtag Berlin-Brandenburg 2026

KI-Sicherheit und Micro Giving – Der Fundraisingtag Berlin-Brandenburg 2026 am 11. September 2026 in Berlin bietet wie immer spannende, hochaktuelle Themen. Einen Frühbucherrabatt gibt es noch bis zum 10. August 2026.

Weiterlesen

Online Fundraising Days

Für den 25. und 26. August 2026 lädt der Fundraising Verband Austria zu zwei intensiven Tagen voller Informationen und Tipps rund um erfolgreiches Online-Fundraising. Beide Tage sind auch einzeln buchbar.

Weiterlesen

Fundraisingtag Berlin-Brandenburg 2026

Für den 11. September 2026 lädt das Fundraising-Magazin wieder zum Fundraisingtag Berlin-Brandenburg ins Harnack Haus der Max Planck Gesellschaft nach Berlin. Eine Neuerung im Programm ist dieses Mal eine Runde mit mehreren Thementischen.

Weiterlesen
Werbung
Vom Spendenkonto zur Fundraising-Strategie. Deine Bank – jetzt mit Fundraising Beratung.

Weil erfolgreiches Fundraising bei Menschen und Ihrem Engagement ansetzt. Wir unterstützen euch, Finanzierung und Beziehungen zusammenzudenken. Gemeinsam. Sozial. Wirksam.

Älterer Mann schaut in ein Fotoalbum. Biographien bestimmen den Wunsch gemeinnützig zu vererben.
Erbschaftsfundraising: Vertrauen statt Kampagne

Immer mehr Menschen bedenken gemeinnützige Organisationen in ihrem Testament. Erbschaftsfundraising ist deshalb ein wichtiges Thema. DDV-Mitglieder berichten über Ihr Erfahrungen.

Zwei junge Erwachsene sitzen vor einem Laptop und nehmen an einem Webinar teil.
Wie sieht erfolgreiches Fundraising der Zukunft aus?

Digitale Zahlmethoden verändern das Spendenverhalten. Die Webinar-Reihe „StrategieImpuls Fundraising“ zeigt was erfolgreiches Fundraising der Zukunft ist.