Impulse vom Kongress aus Wien: Was die Branche jetzt beschäftigt

Politischer Gegenwind, finanzielle Unsicherheit und Künstliche Intelligenz: Beim 33. Österreichischen Fundraising Kongress diskutierte die Fundraising-Szene über aktuelle Herausforderungen und mögliche Antworten. Karin Sommer war für das Fundraising-Magazin in Wien dabei. In ihrem persönlichen Rückblick erzählt sie, was diese Tagung für sie besonders gemacht hat.
Von Karin Sommer
28. Oktober 2026
Lesedauer: 3 Minuten
frei lesbar für alle

Wenn sich Fundraiserinnen und Fundraiser aus ganz Österreich treffen, dauert es nicht lange, bis die ersten Fachgespräche beginnen. Wie geht man mit politischem Gegenwind um? Wie entwickeln sich Großspenden? Und was tut sich eigentlich beim Erbschaftsfundraising? Fragen wie diese begleiteten auch den Österreichischen Fundraising Kongress 2026, der von 12. bis 14. Oktober unter dem Motto „RE:FRAME – Fundraising nachhaltig stärken“ ins Europahaus Wien lud.

Eine Fotogalerie gibt es hier.

Der erste Kongresstag war den Masterclasses gewidmet. Wer sich in ein spezielles Thema vertiefen wollte, konnte hier intensiv arbeiten. Der eigentliche Kongresstrubel begann daher erst am Dienstag, als die Community in größerer Runde zusammenkam. Durch das Programm führte Patrick Hafner, der mittlerweile zu den vertrauten Gesichtern des Kongresses gehört.

Fundraising braucht mehr als gute Einzelmaßnahmen

Ein Höhepunkt waren für mich die internationalen Speaker Nyasha Njela und Colin Skehan von Revolutionise International. Sie beschäftigten sich mit der Frage, was erfolgreiche Fundraising-Organisationen auszeichnet und welche Verhaltensweisen nachhaltiges Wachstum ermöglichen. Welche Rolle spielen Führung, Organisationskultur und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Teams? Wie gelingt es, Fundraising als gemeinsame Verantwortung der gesamten Organisation zu verstehen?

Daneben bot das Programm zahlreiche konkrete Anknüpfungspunkte für den Arbeitsalltag. In den Sessions ging es unter anderem um die Sichtbarkeit von NGOs, digitale Spendenangebote, Medium Donors, Unternehmenspartnerschaften und die Chancen künstlicher Intelligenz. Auch die Frage, wie Organisationen mit gesellschaftlichen Veränderungen, politischem Gegenwind und finanzieller Unsicherheit umgehen können, zog sich durch das Programm.

Ein straffer Zeitplan, der tatsächlich funktioniert

Bei einem Kongress mit Keynotes, parallelen Sessions, Diskussionen und ausreichend Zeit für Gespräche könnte man durchaus erwarten, dass der Zeitplan irgendwann ins Wanken gerät. Umso bemerkenswerter fand ich einmal mehr, wie gut die Veranstaltung organisiert war. Das Programm war straff, ohne sich stressig anzufühlen, und die Übergänge funktionierten reibungslos. Verspätungen? Zumindest sind mir keine aufgefallen.

Auch die Mischung der Formate stimmte. Wer sich fachlich vertiefen wollte, fand ebenso passende Angebote wie jene, die zunächst einen Überblick gewinnen oder sich mit Kollegen über aktuelle Herausforderungen austauschen wollten. Dass unterschiedliche Erfahrungsstufen berücksichtigt wurden, machte den Kongress auch für Menschen interessant, die noch nicht seit Jahrzehnten im Fundraising tätig sind.

30 Jahre Fundraising Verband Austria: ein Grund zum Feiern

Der Dienstagabend stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Die Jubiläumsgala verband Rückblick und Feierlaune. Moderiert wurde der Abend vom Kabarettisten und Arzt Omar Sarsam. Musikalisch wurde es mit dem Chor der TU Wien und Ina Regen, deren Auftritt dem Abend besondere Momente verlieh.

Preisverleihung bei der Jubiläumsgala des Fundraising Verband Austria im Europahaus Wien. v.l.n.r.: Walter Emberger (Präsident Fundraising Verband Austria), Ina Regen, Rosa Bergmann (Fundraiserin des Jahres; Hobby Lobby), Omar Sarsam, Ruth Williams (Geschäftsführerin Fundraising Verband Austria).
Preisverleihung bei der Jubiläumsgala des Fundraising Verband Austria im Europahaus Wien. v.l.n.r.: Walter Emberger (Präsident Fundraising Verband Austria), Ina Regen, Rosa Bergmann (Fundraiserin des Jahres; Hobby Lobby), Omar Sarsam, Ruth Williams (Geschäftsführerin Fundraising Verband Austria).

Im Mittelpunkt stand auch die Auszeichnung zur Fundraiserin des Jahres 2026. Sie ging an Rosa Bergmann, Gründerin und Geschäftsführerin der Hobby Lobby. Die Organisation eröffnet Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen und finanziellen Situation neue Zugänge zu Bildung, Freizeit und persönlicher Entwicklung.

Zwischen Krapfen, Kontakten und großen Spendenfragen

Natürlich besteht ein Kongress nicht nur aus Vorträgen und Diskussionen. Auch die Aussteller trugen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Neben Informationen zu Produkten und Dienstleistungen gab es Gewinnspiele, kleine Überraschungen und allerlei Give-aways. Krapfen, Ingwer-Shots und Snacks sorgten für Energie zwischen den Sessions, Mini-Megaphone für ein ungewöhnliches Mitbringsel.

Vor allem aber boten die Pausen Gelegenheit für das, was bei Branchentreffen mindestens ebenso wertvoll ist wie das offizielle Programm: persönliche Gespräche. Der Kongress war gut besucht, ohne seine familiäre Atmosphäre zu verlieren.

Neue Perspektiven für die nächsten 30 Jahre

Was bleibt nach drei Kongresstagen? Natürlich zahlreiche fachliche Impulse, neue Kontakte und die eine oder andere Idee, die es nun in den Arbeitsalltag zu übersetzen gilt. Nach 30 Jahren Fundraising Verband Austria gibt es also nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch genug Stoff für die nächsten Jahre. Und während manche Kongressideen erst einmal in Notizbüchern und auf Visitenkarten landen, beginnen andere schon auf dem Heimweg Gestalt anzunehmen. Für mich bleibt der Österreichische Fundraising Kongress jedenfalls ein Fixpunkt: wegen des fachlichen Programms, der guten Organisation und vor allem wegen der Menschen, die hier zusammenkommen.

Fotocredit(s)

  • Preisverleihung Wien 2026: Sima Prodinger
  • Österreichischer Fundraising Kongress: Fundraising Verband Austria
Weitere interessante Beiträge

Stiftung Kinderförderung vergibt Hob-Preis 2026/2027 

Die Stiftung Kinderförderung von Playmobil vergibt den Hob-Preis 2026/27 an Grund- und Förderschulen in Deutschland. Der Hob-Preis widmet sich dieses Mal dem Thema „Im Ganztag Bildungs- und Lebensraum für alle Kinder schaffen“.

Weiterlesen

Zukunftspreis 2026 würdigt Engagement für Frauen und Gleichberechtigung

Mit dem Zukunftspreis 2026 rückt Bündnis 90/Die Grünen Initiativen und Projekte für Frauen und Gleichberechtigung ins Rampenlicht. Drei ausgewählte Projekte erhalten Preisgelder. Bewerbungen und Vorschläge können bis zum 15. November 2026 eingereicht werden.

Weiterlesen

Publikumsvoting für den Deutschen Engagementpreis 2026 gestartet

Bis zum 29. Oktober 2026 läuft das Publikumsvoting für den Deutschen Engagementpreis 2026. Die Gewinner werden im November in Berlin geehrt.

Weiterlesen

Fundraising anders denken: Warum es neue Perspektiven braucht

Fundraising ist mehr als Geldbeschaffung. Doch wie gelingt es, Menschen langfristig für eine gute Sache zu begeistern? Ulrich C. Reiter stellt in seinem Buch „Das Fundraising-Rad“ vertraute Denkmodelle infrage und zeigt, warum erfolgreiches Fundraising vor allem eines braucht: echte Beziehungen.

Weiterlesen

Immer einen Klick wert ...

Danke an unsere Partner, Sponsoren und Inserenten, die helfen, das Nonprofitmagazin frei zugänglich zu halten.
Die folgenden Beiträge sind gesponserte Inhalte, auch Advertorials genannt.
Möchtest auch du dein Unternehmen oder Angebot hier präsentieren, schreibe uns.

Zielgruppe-Vielfältige Kommunikationswege
Wie erreiche ich meine Zielgruppe? Warum „one size fits all“ nicht funktioniert.

Zielgruppe erkennen, Menschen erreichen, Vertrauen stärken, Unterstützer*innen binden – mit Ihrer individuellen Fundraising-Strategie: Gemeinsam. Sozial. Wirksam.

Digitale Spendenbestätigung Tailor PDF
Digitale Spendenbestätigung und personalisierte PDFs einfach erzeugen

Die digitale Spendenbestätigung muss nicht mehr gedruckt, kuvertiert und mit der Post verschickt werden. Mit TailorPDF entstehen aus einer professionellen PDF-Vorlage und vorhandenen Daten personalisierte Dokumente – inklusive Response-Elementen wie Links, QR-Codes oder Spendenaufrufen. Das schafft neue Möglichkeiten.

Ulrich C. Reiter Das Fundraising-Rad
Fundraising anders denken: Warum es neue Perspektiven braucht

Fundraising ist mehr als Geldbeschaffung. Doch wie gelingt es, Menschen langfristig für eine gute Sache zu begeistern? Ulrich C. Reiter stellt in seinem Buch „Das Fundraising-Rad“ vertraute Denkmodelle infrage und zeigt, warum erfolgreiches Fundraising vor allem eines braucht: echte Beziehungen.

Fachbuch Gross-Spenden-Fundraising von Jan Uekermann und Marita Haibach Fundraising-Magazin
Großspenden-Fundraising: Wege zu mehr Philanthropie

Dr. Marita Haibach und Jan Uekermann sind ausgewiesene Fundraising-Experten. Worauf es beim Thema Großspenden ankommt, zeigt die komplett überarbeitete Neuauflage ihres Buches.

Die richtige Datenbank Buch Database + Fundraising
Die passende Datenbank für Database-Fundraising

Die Datenbank ist das Herz des Fundraising. Doch die Software muss zum Verein oder der Stiftung passen Ein gutes Konzept ist dafür unerlässlich. Das Buch Database + Fundraising von Andreas Berg ist dafür das Standardwerk.

Älterer Mann schaut in ein Fotoalbum. Biographien bestimmen den Wunsch gemeinnützig zu vererben.
Erbschaftsfundraising: Vertrauen statt Kampagne

Immer mehr Menschen bedenken gemeinnützige Organisationen in ihrem Testament. Erbschaftsfundraising ist deshalb ein wichtiges Thema. DDV-Mitglieder berichten über Ihr Erfahrungen.