Wenn sich Fundraiserinnen und Fundraiser aus ganz Österreich treffen, dauert es nicht lange, bis die ersten Fachgespräche beginnen. Wie geht man mit politischem Gegenwind um? Wie entwickeln sich Großspenden? Und was tut sich eigentlich beim Erbschaftsfundraising? Fragen wie diese begleiteten auch den Österreichischen Fundraising Kongress 2026, der von 12. bis 14. Oktober unter dem Motto „RE:FRAME – Fundraising nachhaltig stärken“ ins Europahaus Wien lud.
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Der erste Kongresstag war den Masterclasses gewidmet. Wer sich in ein spezielles Thema vertiefen wollte, konnte hier intensiv arbeiten. Der eigentliche Kongresstrubel begann daher erst am Dienstag, als die Community in größerer Runde zusammenkam. Durch das Programm führte Patrick Hafner, der mittlerweile zu den vertrauten Gesichtern des Kongresses gehört.
Fundraising braucht mehr als gute Einzelmaßnahmen
Ein Höhepunkt waren für mich die internationalen Speaker Nyasha Njela und Colin Skehan von Revolutionise International. Sie beschäftigten sich mit der Frage, was erfolgreiche Fundraising-Organisationen auszeichnet und welche Verhaltensweisen nachhaltiges Wachstum ermöglichen. Welche Rolle spielen Führung, Organisationskultur und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Teams? Wie gelingt es, Fundraising als gemeinsame Verantwortung der gesamten Organisation zu verstehen?
Daneben bot das Programm zahlreiche konkrete Anknüpfungspunkte für den Arbeitsalltag. In den Sessions ging es unter anderem um die Sichtbarkeit von NGOs, digitale Spendenangebote, Medium Donors, Unternehmenspartnerschaften und die Chancen künstlicher Intelligenz. Auch die Frage, wie Organisationen mit gesellschaftlichen Veränderungen, politischem Gegenwind und finanzieller Unsicherheit umgehen können, zog sich durch das Programm.
Ein straffer Zeitplan, der tatsächlich funktioniert
Bei einem Kongress mit Keynotes, parallelen Sessions, Diskussionen und ausreichend Zeit für Gespräche könnte man durchaus erwarten, dass der Zeitplan irgendwann ins Wanken gerät. Umso bemerkenswerter fand ich einmal mehr, wie gut die Veranstaltung organisiert war. Das Programm war straff, ohne sich stressig anzufühlen, und die Übergänge funktionierten reibungslos. Verspätungen? Zumindest sind mir keine aufgefallen.
Auch die Mischung der Formate stimmte. Wer sich fachlich vertiefen wollte, fand ebenso passende Angebote wie jene, die zunächst einen Überblick gewinnen oder sich mit Kollegen über aktuelle Herausforderungen austauschen wollten. Dass unterschiedliche Erfahrungsstufen berücksichtigt wurden, machte den Kongress auch für Menschen interessant, die noch nicht seit Jahrzehnten im Fundraising tätig sind.
30 Jahre Fundraising Verband Austria: ein Grund zum Feiern
Der Dienstagabend stand ganz im Zeichen des Jubiläums. Die Jubiläumsgala verband Rückblick und Feierlaune. Moderiert wurde der Abend vom Kabarettisten und Arzt Omar Sarsam. Musikalisch wurde es mit dem Chor der TU Wien und Ina Regen, deren Auftritt dem Abend besondere Momente verlieh.

Im Mittelpunkt stand auch die Auszeichnung zur Fundraiserin des Jahres 2026. Sie ging an Rosa Bergmann, Gründerin und Geschäftsführerin der Hobby Lobby. Die Organisation eröffnet Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen und finanziellen Situation neue Zugänge zu Bildung, Freizeit und persönlicher Entwicklung.
Zwischen Krapfen, Kontakten und großen Spendenfragen
Natürlich besteht ein Kongress nicht nur aus Vorträgen und Diskussionen. Auch die Aussteller trugen ihren Teil zur Atmosphäre bei. Neben Informationen zu Produkten und Dienstleistungen gab es Gewinnspiele, kleine Überraschungen und allerlei Give-aways. Krapfen, Ingwer-Shots und Snacks sorgten für Energie zwischen den Sessions, Mini-Megaphone für ein ungewöhnliches Mitbringsel.
Vor allem aber boten die Pausen Gelegenheit für das, was bei Branchentreffen mindestens ebenso wertvoll ist wie das offizielle Programm: persönliche Gespräche. Der Kongress war gut besucht, ohne seine familiäre Atmosphäre zu verlieren.
Neue Perspektiven für die nächsten 30 Jahre
Was bleibt nach drei Kongresstagen? Natürlich zahlreiche fachliche Impulse, neue Kontakte und die eine oder andere Idee, die es nun in den Arbeitsalltag zu übersetzen gilt. Nach 30 Jahren Fundraising Verband Austria gibt es also nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch genug Stoff für die nächsten Jahre. Und während manche Kongressideen erst einmal in Notizbüchern und auf Visitenkarten landen, beginnen andere schon auf dem Heimweg Gestalt anzunehmen. Für mich bleibt der Österreichische Fundraising Kongress jedenfalls ein Fixpunkt: wegen des fachlichen Programms, der guten Organisation und vor allem wegen der Menschen, die hier zusammenkommen.