Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar 2027 nicht nur ihr reguläres Porto, sondern auch die Preise für Dialogpost. Damit verteuert sich auch der Massenversand von Spendenbriefen über diesen Tarif.
Im Format Standard bis 20 Gramm steigt der Grundpreis je Sendung von 38 auf 39 Cent, bei 21 bis 50 Gramm von 42 auf 44 Cent. Für Dialogpost Groß werden je nach Gewichtsklasse zwei bis vier Cent mehr fällig. Alle Preise verstehen sich zuzüglich gesetzlicher Umsatzsteuer. Die Post begründet die Anpassung mit steigenden Betriebs-, Material- und Personalkosten. Dabei waren bei der letzten Portoerhöhung vor einem Jahr die Dialogpost-Preise im Schnitt bereits um vier Prozent gestiegen. Es entsteht das Gefühl, dass die zurückgehenden Umsätze im normalen Briefgeschäft durch das laut DialogMarketing-Monitor 2026 weiterhin stabile Werbebrief-Aufkommen aufgefangen werden sollen.
„Bei einer Aussendung von 10.000 Standardbriefen zwischen 21 und 50 Gramm bedeutet das rechnerisch 200 Euro zusätzliche Grundkosten vor Umsatzsteuer, Zuschlägen und Ermäßigungen“, rechnet Direktmarketing-Profi Alexander Thurow von marketwing vor. Besonders bitter ist, dass für gemeinnützige Organisationen in der so wichtigen Spendensaison im vierten Quartal noch ein weiterer Cent aufs Porto obendrauf kommt. Der seit September 2024 geltende Zuschlag wird aber wenigstens nicht erhöht. Die Dialogpost gilt ab 5.000 inhaltsgleichen Sendungen.
Die Veränderungen bei der Dialogpost der Deutschen Post im Einzelnen:
| Produkt | Neue Preise 2027 (netto) | Preise bisher (netto) |
| Dialogpost Postkarte | 0,38 € | 0,36 € |
| Dialogpost Standard bis 20g | 0,39 € | 0,38 € |
| Dialogpost Standard bis 50g | 0,44 € | 0,42 € |
| Dialogpost Groß bis 50g | 0,56 € | 0,54 € |
| Dialogpost Groß bis 100g | 0,69 € | 0,67 € |
| Saisonzuschlag (Sep.-Dez.) | 0,01 € (pro Sendung) | 0,01 € (pro Sendung) |
Für kleinere inhaltsgleiche Sendungen ist die Versandart Dialogpost Easy zu prüfen. Sie gilt für Auflagen ab 500 Sendungen, bei der ein Aufschlag von 0,18 Euro pro Sendung auf den Basispreis fällig wird. Bei einem 20-Gramm-Brief würde das ein Porto von 57 Cent netto bedeuten.
Neue Allianz gegen die Post: Deutschlandversand
Als Alternative für die Dialogpost steht ab 2027 eine neue Allianz bereit. Sechs Briefdienstleister haben das Gemeinschaftsunternehmen Deutschlandversand GmbH & Co. KG gegründet, um Großversendern eine Alternative zur Deutschen Post zu bieten. Dahinter stecken namhafte regionale Medienhäuser. Das Joint Venture mit Sitz in Hannover will den zweitgrößten B2B-Briefdienstleister DVS und dessen Zustelltochter Xendis, der aktuell in einem Insolvenzverfahren steckt, übernehmen. Zum 1. Januar 2027 sollen auch das Werbesendungsgeschäft von Pin Direkt und das Zustellnetz Mail Alliance unter dieses Dach schlüpfen. Damit entsteht erstmals ein Großversender, der zentral Werbesendungen abwickeln und regional ausliefern kann.
Dass die Medienhäuser jetzt ihre Konkurrenz aufgeben und lieber kooperieren, hat zwei Gründe. Erstens entfällt mit hoher Wahrscheinlichkeit 2027 das Privileg der Deutschen Post, Geschäftskundenpost ohne Mehrwertsteuer auf Porto zu versenden. Das war nach Ansicht des Insolvenzverwalters RSM Ebner Stolz auch ein Grund für die wirtschaftliche Schieflage und Insolvenz von DVS. So entstehen gleiche Wettbewerbsbedingungen, wenn der Bundestag dem zustimmt. Da damit mindestens 115 Millionen Euro Mehreinnahmen bei der Umsatzsteuer für Bund, Länder und Kommunen verbunden sind, ist aber davon auszugehen. Zweitens drohte laut Wirtschaftswoche ohne das Briefvolumen der DVS mit einem geschätzten Marktanteil von etwa 30 Prozent dem alternativen Zustellmarkt das Ende. Und damit mittelfristig eventuell auch der Zeitungs- und Zeitschriftenzustellung in Deutschland. So ist der Schritt von Medienkonzernen wie Madsack, Bauer, Holtzbrinck und anderen nur logisch, jetzt ihre Kräfte gegen die Post zu bündeln.
Was jede Non-Profit-Organisation jetzt tun kann
Angesichts dieser Entwicklung mit nur noch zwei großen und mehreren kleineren Postzustellern ist kein Preiswettbewerb bei Dialogpost, also Werbebriefen und damit auch Spendenbriefen, zu erwarten. Noch hat der Deutschlandversand aber seine Preisliste nicht veröffentlicht. Auch eine Vergünstigung für gemeinnützige Post, wie die österreichische „Sponsoring Mail“, wird es in Deutschland nicht geben. Dafür hat die Deutsche Post viel zu viele Probleme in ihrem schrumpfenden Briefzustellgeschäft und nichts zu verschenken.
Andererseits haben die NPO aber auch ihre Ausgaben selbst in der Hand. Eine Adress- und Dublettenprüfung, um Retouren und Doppelversand zu vermeiden, ist das Mindeste. Dienstleister bieten dafür kostenfreie Audits vor einer Datenbereinigung an. Auch eine genauere Zielgruppenauswahl auf Kontakte mit der höchsten Responsewahrscheinlichkeit kann den ROI eines Mailings bei geringerer Auflage halten und sogar steigern. Voraussetzung auch hier: eine gut gepflegte Datenbasis.
Reguläres Porto soll um 20 Cent steigen
Beim regulären Briefporto ist eine viel deutlichere Erhöhung vorgesehen. Die Bundesnetzagentur hat dafür einen durchschnittlichen Erhöhungsspielraum von 20,35 Prozent vorgeschlagen. Die Deutsche Post kündigte daraufhin am 20. Oktober an, den Spielraum komplett zu nutzen und das Porto für den Standardbrief und die Postkarte um 20 Cent auf 1,15 Euro anzuheben. Die endgültige Genehmigung der Bundesnetzagentur steht aber noch aus.
Für kleinere Versandmengen oder Postarten, die nicht zur Dialogpost zugelassen sind, wie beispielsweise Zuwendungsbestätigungen, wäre das eine sehr deutliche Erhöhung. Auch für den Versand von Geschäftsberichten keine gute Nachricht. Statt 1,80 Euro soll der oft dafür genutzte Großbrief dann 2,35 Euro kosten. Das Porto des Maxibriefs verdoppelt sich beinahe, von 2,90 Euro auf fünf Euro, und hat damit fast das Niveau eines Päckchens erreicht.
Nikola Hagleitner, Vorständin Post & Paket Deutschland, verkündete die vollständige Ausschöpfung des Erhöhungsspielraums wie folgt: „Die Briefmengen sinken seit Jahren deutlich, während die Personal-, Energie- und Sachkosten steigen. Gleichzeitig müssen wir auch künftig ein flächendeckendes Netz aus Briefkästen und Filialen für ganz Deutschland vorhalten. Wenn immer weniger Briefe über diese Infrastruktur laufen, steigen die Kosten pro Brief zwangsläufig. Deshalb sind Preiserhöhungen unvermeidbar.“