Zwei aktuelle Studien nehmen das digitale Fundraising im deutschsprachigen Raum unter die Lupe. Die beiden Anbieter von Softwarelösungen für digitales Fundraising, RaiseNow und FundraisingBox, haben dafür reale Transaktionsdaten ihrer Kunden ausgewertet. Hinter all den Zahlen steckt eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich Online-Fundraising dauerhaft verbessern?
RaiseNow beobachtet zunächst eine erfreuliche Entwicklung: Die Zahl der digitalen Transaktionen steigt. Gleichzeitig sinkt jedoch der Betrag pro Transaktion, das digitale Spendenvolumen bleibt dennoch stabil. Die FundraisingBox sieht bei der Spendenhöhe dagegen kaum Bewegung. In ihrem Datensatz lag die durchschnittliche Online-Spende 2025 nahezu auf Vorjahresniveau.
Für Organisationen steckt darin bereits eine wichtige Erkenntnis: Ein allgemeiner Benchmark kann Orientierung geben, entscheidend ist die Entwicklung der eigenen Zahlen. Steigt oder sinkt die Anzahl oder die Höhe der Spenden? Verändert sich der Durchschnitt? Und vor allem: Warum?
Fundraising als Prozess verstehen
Die FundraisingBox fasst diesen Ansatz unter dem Begriff Performance Fundraising zusammen: Fundraising wird als kontinuierlicher Prozess verstanden, bei dem Daten ausgewertet, Maßnahmen optimiert und Spenderbeziehungen weiterentwickelt werden, statt nur von Kampagne zu Kampagne zu denken. Wiederkehrende Spenden spielen dabei eine wichtige Rolle.
RaiseNow zeigt zudem, dass große Organisationen ihre digitalen Transaktionszahlen zuletzt besonders stark steigern konnten. Ein Expertenkommentar in der Studie führt den Vorsprung allerdings nicht allein auf die Größe zurück, sondern auch auf Know-how und die Professionalisierung des digitalen Fundraisings.
Mobile dominiert – aber nicht immer
Dass Spendenformulare auf Smartphones funktionieren müssen, ist keine neue Erkenntnis. Interessanter ist, wie unterschiedlich mobil und am Desktop gespendet wird. Bei RaiseNow erfolgten 2025 fast 97 Prozent der Spenden bis 30 Schweizer Franken mobil. Mit zunehmender Spendenhöhe wächst dagegen tendenziell der Desktop-Anteil. Die FundraisingBox zeigt ein ähnliches Muster aus einer anderen Perspektive: 64 Prozent der Online-Transaktionen werden mobil ausgelöst. Beim Spendenvolumen liegt der Desktop mit 52 Prozent aber noch knapp vor dem Smartphone mit 48 Prozent. „Mobile first“ allein reicht als Strategie also nicht. Organisationen sollten wissen, welche Spenden über welches Gerät entstehen und ob ihre Spendenstrecken zu diesen Situationen passen.
Das gilt ebenso für die Zahlungsarten. In beiden Datensätzen liegt PayPal für Spenden in Euro weit vorn. Bei Spenden in Schweizer Franken dominiert bei RaiseNow dagegen Twint. Hier gewinnen zudem Apple Pay und Google Pay an Bedeutung. Die praktische Konsequenz ist unspektakulär, aber wichtig: Wer beim Bezahlen unnötige Hürden aufbaut, verschenkt Potenzial.
Auch die große Spende kommt online
Taugen digitale Kanäle nur für kleine Spenden? Die Daten sagen eindeutig: Nein. Die FundraisingBox hat größere Einzelspenden gesondert untersucht. Zwar kommen hohe Beträge offline anteilig häufiger vor. Doch auch online werden höhere Beträge gegeben. Selbst Einzelspenden von mehr als 3 000 oder 5 000 Euro finden sich im Datensatz. RaiseNow ergänzt dieses Bild: Mit steigender Spendenhöhe nimmt tendenziell die Nutzung von Desktopgeräten gegenüber Mobile zu.
Für Organisationen stellt sich deshalb eine einfache Frage: Was findet jemand vor, der online 1 000 oder 5 000 Euro spenden möchte? Betragsvorschläge, Wirkungskommunikation und die Gestaltung der Spendenstrecke dürfen nicht ausschließlich auf kleine und mittlere Beträge ausgerichtet sein.
KI ist da – die Strategie häufig noch nicht
Einen zusätzlichen Blick wagt die FundraisingBox mit einem eigenen Untersuchungsteil zum Einsatz Künstlicher Intelligenz. Dafür wurden fünf Experten interviewt und ergänzend 29 Teilnehmer einer Fachveranstaltung befragt. Die quantitativen Ergebnisse sind wegen der kleinen Stichprobe eher ein Stimmungsbild – aber ein interessantes.
Am häufigsten wird KI für Texte, E-Mail-Kommunikation, Marketing und Social Media genutzt. Datenanalyse, Reporting und Prozessautomatisierung spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle. Als Hürden werden vor allem fehlende Zeit, fehlendes Wissen sowie Datenschutz- und Sicherheitsfragen genannt.
Potenzial von KI nutzen
Hier schließt sich der Kreis. Beide Studien zeigen, wie viele Erkenntnisse sich aus Transaktionsdaten gewinnen lassen. Das Potenzial Künstlicher Intelligenz dürfte deshalb langfristig nicht nur darin liegen, den nächsten Spendenaufruf schneller zu schreiben. Interessant wird sie dort, wo sie helfen kann, Daten auszuwerten, Prozesse zu vereinfachen und Fundraising systematisch weiter auszubauen.
Die eigenen Daten entscheiden
Was lässt sich also für die Fundraising-Praxis von Nonprofits ableiten? Zunächst: Durchschnittswerte sind hilfreich, aber kein Zielwert für jede Organisation. Spendenhöhe, Transaktionszahl und Gesamtvolumen sollten gemeinsam betrachtet werden. Mobile Spenden, Dauerspenden und größere Einzelspenden brauchen zum Teil unterschiedliche Strecken und Angebote. Zahlungswege sollten regelmäßig überprüft, bestehende Spenderbeziehungen nach der ersten Gabe weiterentwickelt und erfolgreiche Ansätze nicht nur wiederholt, sondern fortlaufend optimiert werden.
Es lohnt sich durchaus, solche Studien genauer anzuschauen – nicht nur für Daten-Nerds, sondern für alle, die das Fundraising ihrer Organisation weiterentwickeln wollen.
Die Studie von RaiseNow: „Digitales Fundraising – Die Studie 2026“ ist kostenlos hier erhältlich:
https://www.raisenow.com/de-de/ressourcen/fundraising-studie/2026
Die Studie der FundraisingBox: „Wirksame Muster im digitalen Fundraising“ ist ebenfalls kostenlos erhältlich: https://fundraisingbox.com/fundraising-studie/